Alle Verstecke nützten Wendelsteins Bürgermeister Wolfgang Kelsch am Ende nichts: Auf der Männertoilette des Rathauses überwältigten die verrückten Hexen am Weiberfasching das Gemeindeoberhaupt.
Lange hielt der Widerstand des gut gelaunten Bürgermeisters nicht an. Er beugte sich der Übermacht von zwanzig wild gewordenen Närrinnen. Die Krawatte wurde bereitwillig geopfert; der Rathausschlüssel wechselte die Besitzer. Kelsch gab sich geschlagen: „Ich übergebe das Regiment an das starke Geschlecht.“ Bis Faschingsdienstag haben nun die Frauen das Sagen im Rathaus. Einmal im Jahr herrscht Ausnahmezustand im Wendelsteiner Rathaus. Seit mehr als einem Viertel Jahrhundert stürmen die Wendelsteiner Hexen am Unsinnigen Donnerstag das Verwaltungsgebäude. Von Anfang an organisierte Protokollchefin Renate Gärtner den Hexensturm im Rathaus. In diesem Jahr wurde sie als „Ehrenhexe“ in den Kreis der Faschingsdamen aufgenommen. Auch im nächsten Jahr – wenn Renate Gärtner bereits im wohlverdienten Ruhestand ist – sei sie sehr herzlich zum Empfang eingeladen. „Oberhexe“ Petra Schröder überreichte Renate Gärtner aus diesem Anlass einen schwarzen „Ehrenhexenhut“: „Sie sind nun eine von uns.“ Vor ihrem traditionellen Rathausbesuch sorgte die närrische Truppe bereits im Altort für heiteres Treiben. Treffpunkt ist seit je her am Heimathaus. Nach der faschingsgemäßen Einstimmung geht es los auf die Hauptstrasse und quer durch den Altort. Mit Rasseln und Trommeln, Trillerpfeifen und Hupen, Haarspray und Parfum trieben sie so manchen männlichen Passanten in die Flucht. Kaum einer konnte den Hexen entkommen. Wie sagte Petra Schröder in ihrer Rede im Rathaus: „So machten wir auch dieses Jahr wieder unsicher die Straßen, wir sind halt zuverlässig, auf uns kannst dich verlassen.“